Die Begriffe der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind keine Erfindung der Revolution. Die Konzepte der Freiheit und Gleichheit werden im Zeitalter der Aufklärung häufig miteinander in Zusammenhang gebracht, insbesondere bei Rousseau und bei Locke. Allerdings werden sie erst im Zuge der Französischen Revolution zu einem Triptychon vereint. In einer Rede über die Organisation der Nationalgarden im Dezember 1790 macht Robespierre den Vorschlag, die Worte „Le Peuple Français“ und „Liberté, Égalité, Fraternité“ auf Uniformen und Flaggen zu schreiben, aber sein Plan wird nicht angenommen.

Ab 1793 malen die Pariser, die bald von den Bewohnern anderer Städte imitiert werden, folgende Inschrift an die Fassaden ihrer Häuser:  „Einigkeit, Unteilbarkeit der Republik; Freiheit, Gleichheit oder der Tod“. Der letzte Teil dieser Formulierung, der zu sehr an die Schreckensherrschaft erinnerte, verschwand schnell wieder.

Unité indivisibilité de la République : [estampe] / [non identifié] © Bibliothèque nationale de France

Wie viele revolutionäre Symbole kommt die Devise im Kaiserreich außer Gebrauch. Bei der Revolution von 1848 kehrt sie zurück, wird als Prinzip der Republik definiert und in der Verfassung festgeschrieben. Die Kirche akzeptiert daraufhin diese Triade als eine Zusammenfassung der christlichen Werte: die Priester rühmen die Brüderlichkeit in Christus und segnen Bäume der Freiheit. 

Nachdem sie im Zweiten Kaiserreich verschmäht wurde, setzt sie sich in der 3. Republik schließlich durch, trotz einiger Widerstände, auch in den Reihen der Republikaner: Manchmal wird die Solidarität der Gleichheit, die eine soziale Angleichung impliziert, vorgezogen, während die religiöse Konnotation der Brüderlichkeit nicht unumstritten ist.  Die Devise wird am 14. Juli 1880 an die Frontgiebel der öffentlichen Gebäude geschrieben. Sie taucht in den Verfassungen von 1946 und 1958 auf und ist heute fester Bestandteil unseres nationalen Kulturerbes. 

Place du Trocadéro, 14 juillet 2020 © Présidence de la République